Scientific Conference – Fragrance, Interview mit Prof. Hanns Hatt

11. Juli 2018

Donnerstag, 11. Oktober 2018 von 09:00 – 09:45 im Raum 2
Die Macht der Düfte: Extranasale Riechrezeptoren und ihre Funktion

 

Was ist für Sie das Faszinierendste bei Ihren Forschungen zum Riechen und Schmecken?

Mich hat am meisten die Breite des Themas fasziniert. Ich habe Biologie, Chemie und Medizin studiert und alle diese Wissensgebiete sind mit dem Riechen bzw. mit den Wirkungen des Duftes eng verbunden. Duftstoffe sind chemisch, Funktionen sind biologisch, und die neuere Forschung zeigt, dass die Duftstoffe auch eine bedeutende medizinische Wirkung haben und zelluläre Reaktionen beeinflussen.

 

Herr Prof. Hatt, welche Bedeutung hat der Duft für das menschliche Leben?

Die Riechzellen in der Nase sind unmittelbar mit den Emotions- und Erinnerungszentrum im Gehirn verbunden und werden dort sehr lange und stabil abgespeichert. So sind Düfte  optimal geeignet, uns in die früheste Vergangenheit zurückzuführen. Düfte spielen deshalb auch bei allen Entscheidungen, die wir als Menschen täglich treffen, eine zentrale, jedoch meist unbewusste Rolle. Bei Kaufentscheidungen für Produkte, ebenso wie bei Sympathie und Antipathie von Mitmenschen, bis hin zur Partnerwahl – es ist eine Riesenliste. Dazu kommen noch die gesundheitlichen Aspekte. Nahezu das gesamte menschliche Verhalten kann durch Duft beeinflusst werden. Kein Wunder, dass sie zunehmend beim Marketing, in der Psychologie oder  Medizin  eingesetzt werden. Oft findet die Beeinflussung unbemerkt statt.

 

Sie sagen, Liebe geht durch die Nase. Könnte man annehmen, dass unser gesamtes Konsumverhalten durch die Nase geht?

Düfte sind in unserem Gehirn mit der Emotion verbunden und abgespeichert, die wir im Moment der Duftwahrnehmung hatten. Diese Bewertung geht auf ein Produkt über. So werden heute in fast allen Bereichen „Duftmarken“ gesetzt, es wird praktisch alles beduftet. Schuhe, Handys, Kaufhäuser, Hotels und viele Firmen geben sich einen Markenduft („corporate scent“). Unser Konsumverhalten wird eindeutig durch das, was wir riechen, bestimmt. Dies wird auch Thema in meinem Vortrag anlässlich des SEPAWA Kongresses im Oktober sein.

 

Riechen wir nur durch die Nase?

Riechen können wir nur mit der Nase, allerdings sind die Duftrezeptoren aus der Nase auch überall in unserem Körper zu finden. Mithilfe dieser „Chemo-Rezeptoren“, die sich in unseren Organen und im Gewebe befinden, werden die zellulären Funktionen beeinflusst. Das hat nichts mit „Riechen“ zu tun, funktioniert auch bei Menschen, die jeden Geruchssinn verloren haben. Beispiel wären Duftrezeptoren in den Hautzellen, die Wundheilung und Hautregeneration fördern. Selbst das Haarwachstum kann man durch Düfte beeinflussen, mit Stimulation der Duftrezeptoren den Darm zur besseren Verdauung anregen oder das Herz schneller oder langsamer schlagen lassen. Im Gehirn lösen Düfte ebenfalls zelluläre Reaktionen aus: beruhigend, wachmachend, konzentrationsverstärkend usw.. Das hat dann alles weniger mit den subjektiven Wahrnehmungen des Riechens zu tun, sondern es sind eben Duftwirkungen aufgrund pharmakologischer Reaktionen und damit immer gleich und reproduzierbar.

 

Gibt es den Geruch zu einem Umstand, einer Firma oder einem Platz, oder einer Veranstaltung?

Ja, jede Firma möchte ja eine Botschaft vermitteln. Diese Botschaft kann natürlich durch Düfte unterstrichen werden. Soll die Modernität und Frische betont werden, dann würde man vermutlich eher Zitrusnoten verwenden, für Bodenständigkeit würde man wahrscheinlich auf altbekannte Noten wie erdig oder Lavendel zurückgreifen. Wir haben zum 50. Geburtstag der Uni Bochum ihren eigenen Uniduft kreiert, er heißt „knowledge – Duft des Wissens“. Unser Forschungswissen der letzten 20 Jahre steckt darin. Wir konnten wissenschaftlich zeigen, dass bestimmte Düfte im Gehirn bewirken, dass wir aktiver werden, uns besser konzentrieren können, oder andere, die uns beruhigen und schlaffördernd sind. Aus meiner Sicht ist das die Zukunft: Wirkparfüms.

 

Könnten Sie den Duft der SEPAWA kreieren?

Ja, sicher. Dazu müsste man die „Botschaft“ der SEPAWA identifizieren und in Duft übersetzen. Wir können uns ja im Oktober mal zusammensetzen und überlegen, wie die SEPAWA riecht.

 

Prof. Dr. Dr. Dr. med. habil. Hanns Hatt
Ruhr-Universität Bochum, Zellphysiologie

 

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